Archiv: Das Jahresthema 20192020-03-07T18:58:15+01:00

Unser Jahresthema

Internationale (Un)-Ordnung – Diplomatie in der Krise?

Die inhaltliche Ausrichtung unserer Vereinsarbeit wird in jedem Jahr von einem bestimmten Thema geleitet. Es spiegelt sich in der inhaltlichen Ausgestaltung der MUN-Konferenzen, den simulierten Gremien, den behandelten Themen sowie in den Schwerpunktsetzungen der akademischen Programme wieder. Zudem veranstalten wir öffentliche Vorträge, Podiumsdiskussionen oder setzen Kampagnen zum Thema auf.

“Diese Agenda ist ein Aktionsplan für die Menschen, den Planeten und den Wohlstand.”
Mit diesem Satz beginnt die Präambel der Agenda für nachhaltige Entwicklung, die im Jahr 2015 in Kraft trat. In der von der Generalversammlung verabschiedeten Agenda werden die Ziele der Vereinten Nationen für die Jahre 2015 bis 2030 definiert. Seit fünf Jahren arbeitet die internationale Staatengemeinschaft nun daran, diese Ziele zu erreichen – Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen.

In der Agenda werden 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) definiert, die in insgesamt 169 Zielvorgaben spezifiziert werden. Dabei werden explizit alle drei Ebenen der Nachhaltigkeit berücksichtigt: Die soziale Ebene, die Umwelt-Ebene und die Wirtschafts-Ebene.
Die 17 Ziele können nicht isoliert betrachtet werden, sondern bedingen sich gegenseitig. Sie bilden im Gegensatz zu den Milleniumsentwicklungszielen, die das Handeln der Vereinten Nationen in den Jahren 2000 bis 2015 bestimmt haben, ein gesamtheitliches Bild aller entwicklungsbedürftigen Bereiche ab, sodass sich das Leben der Menschen in jeglicher Weltregion bei Erreichung aller Ziele grundlegend zum Positiven verändern, und eine bessere Welt gewährleistet sein wird.

Nach fünf Jahren, in denen die internationale Staatengemeinschaft auf die Erreichung dieser Ziele hingearbeitet hat, fällt die Zwischenbilanz heute sehr gemischt aus. In vielen Bereichen sind positive Entwicklungen zu verzeichnen, so zum Beispiel bei den Zielvorgaben bezüglich der Kindersterblichkeit oder der Grundschulbildung für alle. Viele andere Zielvorgaben werden jedoch nicht zu erreichen sein, sollte sich die Entwicklung mit der momentanen Geschwindigkeit fortsetzen. In manchen Bereichen ist die Tendenz seit 2015 sogar deutlich negativ, so insbesondere in den Bereichen der wachsenden Ungleichheiten und des Klimawandels inklusive weiterer umweltbezogener Bereiche.
Diese negativen Trends sind überaus besorgniserregend, weil die wachsenden sozialen Ungleichheiten ein enormes Konfliktpotential bieten, und trotz weitreichender Verbesserung der Lebenssituation vieler Menschen die ärmsten und vulnerabelsten zurückgelassen werden. Auch der menscheninduzierte Klimawandel wird mit den hervorgerufenen weltweiten extremen Wetterphänomenen diese Menschen zuerst und am heftigsten treffen.

All diese Entwicklungen möchten wir im Laufe des Jahres 2020 genauer betrachten, kritisch hinterfragen und konstruktive Lösungsansätze finden, um die negativen Entwicklungen umzukehren, und die positiven Entwicklungen voranzutreiben, um somit die hohen Hürden zur Erreichung der großen Ziele zu überwinden.

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Große Ziele, hohe Hürden – fünf Jahre Agenda für nachhaltige Entwicklung

Die inhaltliche Ausrichtung unserer Vereinsarbeit wird in jedem Jahr von einem bestimmten Thema geleitet. Es spiegelt sich in der inhaltlichen Ausgestaltung der MUN-Konferenzen, den simulierten Gremien, den behandelten Themen sowie in den Schwerpunktsetzungen der akademischen Programme wieder. Zudem veranstalten wir öffentliche Vorträge, Podiumsdiskussionen oder setzen Kampagnen zum Thema auf.

Seit jeher schließen sich Menschen zusammen, um voneinander zu profitieren und gemeinsam mehr zu erreichen als allein. Die Anfänge der modernen Diplomatie gehen zurück auf italienische Stadtstaaten, die im 13. Jahrhundert erstmals dauerhaft Vertreter*innen aussandten, die mit den anderen Staaten nicht nur einzelne Themen verhandelten, sondern in eine Vielzahl politischer Fragestellungen eingebunden waren. In den folgenden Jahrhunderten entsandten immer mehr Staaten Vertreter*innen in andere Staaten, schlossen Kooperationsverträge untereinander und begründeten damit ein weltweites System internationaler Diplomatie.

Nachdem diese Formen institutionalisierter Diplomatie die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts nicht verhindern konnten, wurde den Staats- und Regierungschef*innen bewusst, dass es zur dauerhaften Friedenssicherung einen ständigen Austausch untereinander braucht. Mit dem Ziel künftig „als gute Nachbarn in Frieden miteinander zu leben“, gründeten Vertreter*innen von 50 Staaten im Jahr 1945 eine Institution, die ein weltweites Diskussionsforum darstellen und die Möglichkeit bieten sollte, Konflikte diplomatisch zu lösen, anstatt sie militärisch auszutragen: Die Vereinten Nationen. Die Bemühungen von Staaten, sich untereinander auszutauschen und wirtschaftlich, politisch und sozial zusammenzuarbeiten, wurden mit der Unterzeichnung der Charta der Vereinten Nationen auf eine bis dahin nicht dagewesene Art und Weise institutionalisiert. So treten bis heute regelmäßig alle 193 Staaten der Erde in der Generalversammlung zusammen, um gleichberechtigt über aktuelle globale Herausforderungen zu diskutieren.

Gegenwärtig scheint diese Entwicklung der Diplomatie erneut in Gefahr. Aus Zusammenarbeit und Öffnung von Grenzen, Wirtschaftsräumen und politischen Zusammenschlüssen wird zunehmend wieder Abschottung und der Bau von Mauern, sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn. Populisten feiern weltweit Wahlerfolge, multilaterale Abkommen werden aufgekündigt oder gar nicht erst abgeschlossen und nationale Alleingänge zur Demonstration von Stärke häufen sich zum Nachteil partnerschaftlichem, international abgestimmtem Vorgehen.

Diese Entwicklung möchte DMUN e.V. im neuen Jahr unter dem Titel Internationale (Un-)Ordnung – Diplomatie in der Krise? beleuchten. Dabei sollen bestehende Strukturen analysiert, hinterfragt und diskutiert werden. Im Fokus steht die Frage inwiefern die Vereinten Nationen ihrem eigenen Anspruch noch gerecht werden, als Forum der Diplomatie gemeinsame Lösungen für globale Probleme zu finden.

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